Madeira/Portugal // Konservenfabrik // Lesedauer 11 Minuten
COMUR hat sich erfolgreich dem ruinösen Wettbewerb entzogen, der oft den Markt für Dosenfisch bestimmt. Während bei ALDI ALMARE Sardinen in Sonnenblumenöl bereits für weniger als einen Euro pro 125-Gramm-Dose erhältlich sind – natürlich in verschiedenen Sorten – findet man dieses oft als «Arme-Leute-Essen» verkannte Dosenfutter mittlerweile in den unteren Regalen der Supermärkte. Die portugiesische Marke COMUR hingegen verkauft Fisch in Konservendosen mit einer Eleganz, die man eher von einem Juwelier erwarten würde, der seine hochkarätigen Diamanten präsentiert – voller Innovation und clever positioniert.
Funchal ist die Hauptstadt der autonomen Region Madeira (Portugal). Die Insel gehört zu den beliebtesten Orten in Europa. Sie vereint koloniale Architektur mit modernster Küche und besticht durch viel Grünflächen und der bunten Flora. Mit etwas über 105’000 Einwohner ist die Stadt das grösste touristische, kommerzielle und kulturelle Zentrum Madeiras. In diesem milden, frühlingshaften Klima lassen sich die frostigen Wintermonate in Zentral-Europa vergessen. Fussballverrückte kennen Madeira vor allem als Geburtsort von Cristiano Ronaldo. Und in eben dieser zauberhaften Küstenstadt findet man auf der Flaniermeile, an der Avenida Arriaga 9, eine besondere Boutique der Marke COMUR. An diesem Ort wird Dosenfisch edel verkauft, was das Unternehmen einzigartig macht. Doch der Reihe nach.

Von der Notnahrung zum Gourmet-Trend: Nachhaltiger Fischgenuss aus der Dose
Nahrung in Konserven sind keine neue Erfindung. Dem Engländer Peter Durand gelang es bereits 1810 Lebensmittel in kleine Metalldosen einzuschweissen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, wie beispielsweise Bleivergiftungen durch das Verlöten des Deckels, war der Vormarsch der Blechdose nicht mehr zu bremsen. Massentauglich wurde die Dose durch einen Wechsel von Blech auf Aluminium, welche im inneren eine Kunststoffbeschichtung enthielt. Die Popularität von Konservenessen bröckelte nach zwei Weltkriegen und erreicht in den 60er-Jahren ihren Tiefpunkt. Verbannt als Vorsichtsmassnahme im Falle eines Atomangriffs wurde die Büchse unterirdisch gebunkert und lange Zeit als Billig-Dosenfutter stigmatisiert. Selbst der berühmte Pop-Art-Künstler Andy Warhol konnte mit seinen grellen, bunten und schrillen Campbell’s-Dosensuppen-Bildern diesem ramponierten Image nichts entgegensetzen. Im Gegenteil; der extrem schlechte Ruf festigte sich im Alltag und die Sardinenbüchse wurde vor allem dazu hergezogen, um die knappen Platzverhältnisse an Mittelmeerstränden oder in öffentlichen Verkehrsmitteln zu beschreiben. Länder wie Frankreich, Spanien oder Portugal belebten die Konservendosen als heiligen Gral der maritimen Vielfalt von Thunfisch, Sardine und Makrele. In bunt verzierten Dosen werden die eingelegten Fische als Kulturgut gepriesen und von Feinschmeckern verehrt. Seit wenigen Jahren mausert sich der einstige Notproviant zu einem veritablen Gourmet-Trend. Zelebriert zur Delikatesse scheinen Sardinen zu einem Statement geworden zu sein. Food-Scouts selektionieren sie, Künstler dekorieren sie und Sammler horten sie. In der Trendmetropole Berlin gibt es seit Kurzem das hippe Feinkostbistro Sardinen-Bar, in welchem der Gast portugiesische, spanische und französische Fischkonserven geniessen kann.
COMUR – nachhaltige Fischkonserven aus portugiesischer Tradition
Die portugiesische Stadt Aveiro gilt als das perfekte Ziel für Design-Fans. Nebst spektakulären Jugendstilgebäuden gilt die Stadt als Ikone der Kreativität und bunten Marken. Es ist auch der Geburtsort der Konservenfabrik COMUR. Die Manufaktur wurde 1942 gegründet. Das erfolgreich positionierte Qualitätsunternehmen wächst kontinuierlich und setzt dabei seit Generationen auf Erfahrung, Handarbeit sowie das Beste, was das atlantische Meer hergibt. Auf der Website des Unternehmens erhält man Einblick in den Betriebsalltag. Die Fabrikhallen scheinen in der Vergangenheit stehen geblieben zu sein; keine Fliessbänder, keine Fertigungsstrassen und keine überdimensionalen Maschinen. Stattdessen viele fleissige Frauen, die geschäftig vor sich hin werkeln, was in der portugiesischen Sardinenproduktion lange Tradition hat. Wie nachzulesen ist, arbeiten viele Mitarbeiterinnen ihr ganzes Leben lang in der gleichen Fabrik, manche gar in zweiter Generation. Dank der manuellen Verarbeitung bleiben die Fische in der Dose gut platziert, im Stück erhalten und ohne blaue Flecken. Obwohl das Unternehmen mit der portugiesischen Sardine – der Königin aller Fische – groß wurde, huldigen Stammkunden den Produzenten auch für ihre Aale in Dosen. Unter den mehr als 30 verschiedene Fischkonserven kann der Kunde unter Varianten wie Kabeljau, Makrelenfilets, Thunfisch, Oktopus, Lachs, Miesmuscheln, Forelle, Degenfisch, Wolfsbarsch, Garnelen, Goldbrasse wählen. Dabei werden alle Produkte fangfrisch verarbeitet, ganz ohne Zusatzstoffe oder Konservierungsmittel. Hauptsächlich wird das Fleisch in hochwertigem Olivenöl eingelegt. Auch natürlich Zutaten kommen zum Einsatz. Da wäre eine pikante Geschmacksvariante mit Chili, Tomatensauce oder Zitrone mit Pfeffer. Der Kunde hat die Wahl.

Gut für die Umwelt, gut für den Geschmack: Nachhaltiger Fischgenuss mit COMUR
COMUR verarbeitet täglich fangfrischen atlantischen Fisch und Meeresfrüchte in ihrer Konserven-Manufaktur. Das gilt auch für die Sardinen. Als perfekter Zeitpunkt für den Fang der bis zu 12 Zentimeter großen Sardinen gilt der Spätsommer. Dann sind die Fische am fettesten und haben das optimal ausbalancierte Verhältnis von Fett, Omega-3- und Omega-9-Fettsäuren. Die ungesättigten Fettsäuren sind entzündungshemmend, schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und unterstützen das Immunsystem. Da geht auch beim Konservieren nichts verloren. Zudem ist das Fischeiweiss gut verdaulich und ein prima Sattmacher. Fische wie beispielsweise der Barsch ist zudem ideal, um die eigene Diät zu unterstützen. Der Dosenfisch ist zudem ein guter Eiweisslieferant. Proteine sind wichtig für die Muskeln und der Grundbaustein für sämtliche Körperstrukturen. Die im Fisch enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe wie B-Vitamine, Vitamin D, Jod und Selen sind wichtig für die Schilddrüsenfunktion. Die delikaten Happen – vor allem, wenn sie in hochwertigem Olivenöl eingelegt wurden, bleiben gesund. Hinzu kommt, dass diese Art von Fischkonsum sehr nachhaltig ist. Durch die lange Haltbarkeit kann man seinen Fischkonsum komplett auf saisonalen Fisch legen, ohne Konsum von Meeresfrüchten, welche eine Reise um die halbe Welt hinter sich haben. Ausserdem wird beim Transport keine Kühlung benötigt, was Energie spart. Damit ist das einstige Image als billiges Dosenfutter ein Relikt der Vergangenheit; Sardinen in der Dose gelten als gesund.

Wie edle Weine altern edle Fischkonserven
Genau wie gute Weine verbessert sich auch der Geschmack von hochwertig eingelegten Sardinen im Laufe der Zeit. Eine Dose, die nur einen Monat alt ist, schmeckt überhaupt nicht. Gourmet-Sardinen brauchen Zeit, um zu reifen. Nach mindestens drei Monaten in der Dose kann man langsam ans Geniessen denken. Ihren vollen Geschmack entfaltet der Fisch ab dem fünften Jahr in der Dose. Während sie zu Hause reifen, sollten die Dosenfische alle paar Monate umgedreht werden, so dass das sich das Olivenöl gut verteilt und durch den Fisch ziehen kann. Durch das lange Einlegen in hochwertigem, kaltgepresstem Olivenöl schmecken die Sardinen sehr viel feiner. Mit jeder geöffneten Dose hat man das Gefühl, eine Brise Portugal zu inhalieren. Der zarte, weiche Fisch und das blumige, fruchtige Olivenöl vermählen sich zu einer wahren Gaumenexplosion. Je eher man die Dose öffnet, umso fester ist das eingelegte Fleisch. Mit den Jahren wird es mürber. Ob Sie das Fleisch nun jung oder gereift geniessen; servieren Sie diese typische mediterrane Spezialität leicht gekühlt mit einem frisch gerösteten Weissbrot und immer pur aus der Dose! Sie schmecken würzig und intensiv und lassen sofort an raue Atlantikluft denken. Nebenbei: Was beim Wein der Sommelier ist, ist beim Liebhaber von exklusiven Sardinendosen der Puxisardinophil. Da wundert es auch nicht, dass es die Dosen von COMUR nicht unter 10 Euro pro Stück gibt. Die Gold-Kollektion – eine 140 Gramm-Dose mit hauchzartem Sardinenfilet ohne Haut und Gräten, dafür mit ein bisschen Blattgold – darf da auch schon mal jenseits 40 Euro kosten. Mit dieser exklusiven Marktpositionierung verdient das Unternehmen gutes Geld, welches es brauchen dürfte, um die besondere Vertriebsleistung zu finanzieren.
Sammlerobjekte mit gutem Gewissen: Nachhaltige Verpackungen von COMUR
Seit 2015 hat COMUR sein traditionelles Geschäft mit viel Mut und Innovationskraft modernisiert. Dabei wurde der Vertrieb – dazu später mehr – einzigartig und innovativ positioniert sowie die Verpackungen revolutioniert. Und das ist wirklich gelungen; bei COMUR zählen nicht nur die inneren Werte der Dose, sondern insbesondere auch die äusseren. Die Verpackungsgestaltung ist dabei so augenfällig schön, dass der Kunde den Eindruck erhalten könnte, nach der Kunst auf der bunten Dose zu kaufen, statt nach der Wahl vom Fisch im Inneren. Die Auswahl an verschiedenen Sujets, deren liebevolle Gestaltung von Vintage über märchenhaft bis zu minimalistisch modern reicht, haben Kultstatus. Speziell die Städte-Kollektion – eine Sammlung verschiedenen portugiesischer Städte in poppigen Farben auf der Büchse mit geröstetem Kabeljau, kommt einer kulinarischen Reise durch Portugal gleich. Diese Kollektion ist das perfekte, kreative Mitbringsel aus dem Portugal-Urlaub. Nicht minder hochwertig sind die lebendigen Cartoons, welche Geschichten auf den Verpackungen erzählen und damit jede Konserve zu einer Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst macht. Die Motive sind Alltagsszenen und längst zum Sammlerobjekt mutiert. Sie sind bunt, fröhlich und verbreiten gute Laune – Keith Haring würde diese Verpackungsgestaltung feiern.
Atemberaubenden Geschenkidee mit Biss: Luxuriöse Fischkonserven in Dosen
Die Distributionspolitik der Marke COMUR passt perfekt zur gewählten Unternehmenspositionierung als qualitativ hochwertiger Anbieter von Delikatessen-Konserven; in exklusiven 23 Boutiquen erhalten die Kunden die Möglichkeit, mit der Marke COMUR zu interagieren. 22 Geschäfte gibt es in Portugal und seit kurzem einen schicken Flagshipstore mit über 1000 Quadratmeter Fläche am 1582 Broadway an der südöstlichen Ecke der 48th Street in New York (Times Square). Ein solcher Ladenbesuch ist ein einzigartiges Erlebnis, bei welchem es viel zu entdecken gibt und alle fünf Sinne anspricht. Es ist wesentlich inspirierender, als innert Sekundenbruchteilen die Marke mal eben auf Instagram wegzuwischen. Diese Point of Sales sind spektakulär designte Luxusniederlassungen mit Anziehungskraft und viel gelebter Liebe zur Kernkompetenz, nämlich besten Fisch in Dosen zu vertreiben. Das Design der COMUR-Boutiquen ist inspiriert von der spektakulären portugiesischen Barockbibliothek Joanina, welche im 18. Jahrhunderts durch den damaligen König von Portugal Johann V. in Auftrag gegeben wurde. Der einzigartige Rokoko-Stil findet man in jeder Filiale, mit dem Unterschied, dass sich hier Dose an Dose reiht und keine Bücher. Die schillernden Boutiquen sind mit edlen Materialien eingerichtet. Kräftige Farben unterstreichen die Wertigkeit der hier verkauften Produkte. Und überall liegen Dosen, chronologisch nach dem auf der Oberseite eingeprägte Jahr geordnet, wie erlesene Weinflaschen, eben eine «Fantastische Welt der portugiesischen Sardine». Doch die Jahrgang-Kollektion ist ein Marketinggag; es ermöglicht Kunden, eine Dose als Geschenk zu kaufen, welche das Geburtsjahr des Empfängers trägt. Diese Art des Schenkens steht auch im Kern der COMUR-Boutiquen. Anstatt billige Strassen-Souvenirs nach Hause zu tragen, ist der Dosenfisch ein wertiges, überraschendes Gourmetpräsent aus Küstennähe. Nebst dem stationären Handel verschickt das Unternehmen ihre Produkte weltweit im eigenen Onlineshop. Damit kann COMUR bei weitem nicht die Kundenerlebnisse der eigenen superexklusiven Mono-Brand-Stores toppen, dennoch ist es ein Spiegel der zeitgemässen Haltung des Unternehmens.


Von der Konservenfabrik zum Museum
Im ehemaligen Gebäude der Konservenfabrik von COMUR befindet sich heute ein Museum, deren Ausstellungsstücke von Dienstag bis Sonntag besichtigt werden kann. Hier bekommt der Besucher ein tiefes Verständnis für die Tradition, Aale zu konservieren. Nebst dem technischen vermittelten Verständnis ist hier viel Geschichte untergebracht. Zum Beispiel vom ersten Grossauftrag von Mussolini, welcher sich beim Unternehmen die Verpflegung seiner Truppen gesichert hat. Es zeigt aber auch die wichtige Bedeutung des Unternehmens als Arbeitgeber in der Küstenregion. Antike Gerätschaften wie Waschtanks und Verpackungsmaschinen sind hier im Originalzustand ausgestellt. So erleben die Besucher ein Hauch Nostalgie und lernen die unternehmerische Vergangenheit der Region in Ton und Bild kennen.
COMUR erhält prestigeträchtige Auszeichnungen
Nebst anderen Auszeichnungen wurde das besondere Ladenkonzept am 22. September 2022 auch vom Creative Retail Award gewürdigt. Der Veranstalter vergibt jährlich Auszeichnungen an besonders innovativen und herausragenden Unternehmen, welche mit ihren Designs zum besonderen Einzelhandelserlebnis beitragen. Gewürdigt werden die weltweit innovativsten Verbrauchererlebnisse sowie die besten Beispiele des Einzelhandels in 20 verschiedenen Kategorien wie beispielsweise Ladendesign, Beleuchtung und Visuals, Displaysysteme oder innovative Technologie. Hier messen sich Marken wie Chanel, Coach, Cartier, Adidas, Nike, Harrods und viele mehr. Zum ersten Mal ging der Spitzenplatz nach Portugal an die Marke COMUR – wohl verdient!
Fazit
Wer kennt es nicht: Trotz verstärktem Marketing- und Vertriebsaufwand – vielleicht sogar ein bisschen Preisdumping – sinkt der Bestelleingang und damit die Deckungsbeiträge. Dies ist der Zeitpunkt zu handeln. Konkurrenzfähig ist heute jenes Unternehmen, welches die Grundregeln der Positionierung beachtet und die Chancen der Nischenstrategie erkennt. Ziel muss sein, die Nr.1 in den Köpfen der Zielgruppe zu werden. Genau das macht die portugiesische Firma COMUR seit 2015, indem sie ihr Sortiment, bestehend aus über 30 verschiedenen Sorten Fischdosen, stylisch verpackt und damit ein Vielfaches eines Konkurrenzproduktes aus dem Discounter löst. Damit nicht genug: Passend zu den poppigen Dosen wird auch ein Boutique-Netz in Portugal sowie ein Flagship-Store am Times Square in New York betrieben, so dass ihre Kunden die coolen Dosen als delikates Souvenir mit nach Hause nehmen können. Mit dieser Positionierung sichert sich das Traditionsunternehmen COMUR einige Marketingpreise und sehr viel Sympathie bei bestehenden und potenziellen Kunden. Entdeckt haben wir dieses clevere und mutige Unternehmen in der Stadt Funchal auf der Inseln Madeiras in Portugal. Damit Vorhang auf für eine Konservenfabrik, die eine kleine Revolution in Dosen zu verantworten hat – Vorhang auf für COMUR!
Hauptsitz
Comur – Fábrica de Conservas da Murtosa
Zona Industrial da Murtosa
3871-909 Murtosa, Portugal
E-Mail: email@portuguesesardine.com
www.portuguesesardine.com
www.instagram.com/portuguesesardine
www.facebook.com/portuguesesardine
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