Fürstenau / Schweiz // Gastronomie // Lesedauer 10 Minuten
Fine Dining steht in der Schweiz auf einem unvergleichlich hohen Niveau – nirgendwo sonst auf der Welt tobt der kulinarische Wettstreit so intensiv wie hier, wo Spitzenköche um die glitzernden Sterne am Gourmethimmel wetteifern. Hier stehen 880 Gault&Millau-Restaurants Schlange, um die Aufmerksamkeit der Feinschmecker zu erlangen – und das nicht ohne Grund. Unter den Besten glänzen vier Restaurants mit drei Sternen, darunter das legendäre Schloss Schauenstein in Graubünden. Doch was genau macht dieses Restaurant so außergewöhnlich? Und welche kreative Ausnahmeerscheinung steckt hinter diesem kulinarischen Juwel? Wir gehen der Sache auf den Grund.
Die Schweizer Gastronomie ist 2024 auf einem gefährlichen Abstieg. Ganze 11% aller Konkurse im 2024 entfallen auf das Gastgewerbe – ein alarmierendes Zeichen. Inmitten der wirtschaftlichen Unsicherheit kämpfen schweizweit rund 30’000 Restaurants gegen explodierende Kosten und einen akuten Fachkräftemangel. Während die Preise für Energie und Rohstoffe durch die Decke gehen, haben viele Betriebe noch immer mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Die Nachfrage sinkt durch den Trend zum Homeoffice und die veränderten Konsumgewohnheiten. In diesem rauen Umfeld ist es entscheidend, Auszeichnungen wie Michelin-Sterne oder eine Platzierung in den «World’s 50 Best Restaurants» zu gewinnen, um sich als Qualitätsführer zu positionieren.

Die Schweiz begeistert Feinschmecker nicht nur mit atemberaubenden Alpen, sondern auch mit kulinarischen Höhenflügen. Mit 136 Michelin-Sternen, darunter 4 Drei-Sterne-Restaurants, 25 Zwei-Sterne- und 107 Ein-Sterne-Lokale, gibt’s für die Schweizer Gastronomie ein wahrer Sterneregen. Die rekordhohe Sternedichte macht den Alpenstaat zum Gourmet-Paradies. Zürich gilt als inoffizielle «Food-Hauptstadt», doch auch kleinere Städte wie Basel beherbergen international anerkannte Spitzenrestaurants. Bemerkenswert ist nicht nur die Quantität, sondern auch die durchgehend hohe Qualität – selbst in der Alltagsgastronomie.
Ein Michelin-Stern ist der heilige Gral der Gastronomie! Er verwandelt ein Restaurant in einen Magneten für Feinschmecker aus aller Welt. Plötzlich ist jeder Tisch heiß begehrt, die Wartelisten explodieren – Monate im Voraus ausgebucht. Die Einnahmen schießen in die Höhe, während der Ruf des Restaurants auf ewig glänzt. Ein Stern bedeutet Prestige, Respekt und Medienpräsenz. Food-Kritiker und Influencer reißen sich um Fotos und Berichte. Für den Chefkoch ist es die ultimative Krönung, ein Symbol für Perfektion und Leidenschaft.



Andreas Caminada und sein Schloss: Die Dauergäste der weltbesten Restaurants
Ähnlich wie der Michelin-Stern ist die Auszeichnung «World’s 50 Best Restaurants». Gelistet zu sein, hebt ein Restaurant in den Olymp der Gastronomie und sichert ewigen Ruhm. Jedes Jahr wählt eine internationale Jury die kreativsten, innovativsten und einflussreichsten Restaurants der Welt. Diese Liste ist ein prestigeträchtiger Kompass für Feinschmecker, ein Garant für höchste Qualität und außergewöhnliche kulinarische Erlebnisse. Für ein gelistetes Restaurant bedeutet das: weltweite Aufmerksamkeit, ein riesiger Zustrom an Gästen und eine gesteigerte mediale Präsenz. Es lockt internationale Gourmets und bringt enorme Umsatzsteigerungen.
Am 5. Juni 2024 wurden die World’s 50 Best Restaurants 2024 in Las Vegas geehrt. Das Restaurant Schloss Schauenstein belegt den 47. Rang. Es ist das einzige Schweizer Restaurant, das es in die Top 50 geschafft hat. Insgesamt war dieses Restaurant seit 2010 zwölf Mal in dieser Hitparade vertreten – ausser 2021, mit Platz 59, was immer noch eine hervorragende Bewertung darstellt. Kein anderes Lokal ist durchgehend und regelmässig auf dieser begehrten Liste Dauergast wie dieser Schweizer Betrieb.

Das Restaurant Schloss Schauenstein, unter der Leitung des visionären Küchenchefs und Inhabers Andreas Caminada, feierte 2024 sein glanzvolles 20-jähriges Jubiläum. Mit gerade einmal 26 Jahren übernahm Caminada das damals verlassene Fürstenauer Wahrzeichen und schrieb eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Innerhalb von zwei Jahrzehnten verwandelte er das märchenhafte Schloss am Fuße des Piz Beverin in ein kulinarisches Juwel, das heute weit über die Landesgrenzen hinausstrahlt. Gekrönt mit 3 Michelin-Sternen und herausragenden 19 Gault&Millau-Punkten, steht Schloss Schauenstein für pure Perfektion und unvergleichliche Genussmomente – ein wahr gewordener Traum, der die Gastronomiewelt bis heute begeistert.
Ein Schloss, ein Visionär und die Berge machen Fürstenau zur Genussdestination
In der Ferienecke der Schweiz, in Graubünden, findet man das sonnenverwöhnte Fürstenau. Es ist ein kleiner, aber bezaubernder Ort, eingebettet in eine atemberaubende Berglandschaft und fernab von jeder Grossstadt. Die Umgebung von Fürstenau – das Domleschg – wird oft als «Burgen- und Schlössertal» bezeichnet, da es eine der höchsten Dichten an Burgen und Ruinen in Europa aufweist. Zudem ist es ein Paradies für Naturliebhaber. Es gibt zahlreiche Wanderwege, die durch grüne Wiesen und Wälder führen. Wer dem Alltagsstress entfliehen möchte, ist in Fürstenau genau richtig.
Hier steht ein mittelalterliches Schloss Schauenstein. Das ehrwürdige Gemäuer hat eine bewegte Vergangenheit und diente in fast dreieinhalb Jahrhunderten so manchem Zweck: Adelssitz, Brandruine, Erziehungsheim, Treffpunkt für kluge Köpfe aus Kunst und Wissenschaft und Privatschule. 1998 erwarb eine Stiftung das Schloss mit der Absicht, es für Seminare und Hochzeiten zu nutzen. Doch das wahre Potenzial des historischen Gebäudes sollte sich erst entfalten, als ein junger, motivierter Bündner sich ihm als Pächter annahm.
Schlaflos zum Erfolg: Caminadas harte Anfänge im Schloss Schauenstein
Im März 2003 betrat der damals 26-jährige Andreas Caminada das zur Pacht ausgeschriebene Schloss Schauenstein – ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. «Es brauchte eine Menge Fantasie, um das ehemalige Schulgebäude als Restaurant mit Gästezimmern vorzustellen», erinnert sich der Spitzenkoch. Doch nicht nur die Vorstellungskraft wurde herausgefordert: Der abgelegene Standort im schweizerischen Domleschg schien riskant. «Wer würde hierherkommen, um bei einem unbekannten Gastgeber zu essen?» Trotz aller Zweifel vertraute Caminada seinem Bauchgefühl. Als regionale Banken den Erfolg des Projekts anzweifelten, sprangen seine Eltern ein – ihr Darlehen legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die niemand für möglich gehalten hätte.
Im Spätsommer 2003 wurden erste Weihnachtsmenüs an lokale Unternehmen verschickt, um vor der offiziellen Eröffnung am 5. Dezember 2003 erste Firmenessen auszurichten. Der Start war ein voller Erfolg; 70’000 Franken Umsatz im ersten Monat mit einem Personalbestand von zwei Personen. An genügend Schlaf war in dieser Zeit nicht zu denken. Gestartet wurde morgens um 6.30 Uhr mit den Vorbereitungen fürs Frühstück. Nach dem Abendservice wurde bis nachts um halb drei geputzt und aufgeräumt. Der Einsatz hat sich gelohnt. «Die Presse lobte unser Restaurant in den Himmel und wir taten alles, um die Versprechungen gegenüber den Gästen zu erfüllen. Es war eine Art Rauschzustand», meint Sieglinde Zottmaier, ehemalige Freundin des Bündner Kochs und Mitbegründerin des Restaurants Schloss Schauenstein. Was damals als Geheimtipp gehandelt wurde, ist heute in aller Munde.
Der Mann, der Fürstenau zum Gourmet-Hotspot machte
Das ist nun bald zwei Dekaden her. Der Schlossherr wohnt heute nicht mehr in einem der Gästezimmer wie zu Anfangszeiten. Die acht individuell gestalteten Gästezimmer und Suiten sind heute den Gästen vorbehalten. Die Zimmerpreise beginnen bei 610 Franken pro Nacht für ein Standardzimmer und reichen bis zu 840 Franken für luxuriöse Suiten, jeweils inklusive Frühstück.


Andreas Caminada lebt mit seiner Frau Sarah und seinen beiden Söhnen Finn und Cla sowie mit Hund Ferdinand gleich neben dem Schloss. Als leidenschaftlicher Golfer hat er eine tolle Auswahl an diverse Golfplätze in der Region. Nebst seinem Betrieb hat er den Ort Fürstenau zum Anziehungspunkt für Genießer positioniert. Zwei weitere Restaurants, eine Bäckerei, ein Kulinarik-Keller, ein Permakultur-Garten sowie eine kleine Kaffeerösterei nennt er heute sein Eigen und machen das Städtchen so lebendig wie nie zuvor.
Von der Abgeschiedenheit zum Weltruhm: Das Geheimnis hinter Schauensteins Erfolg
Über die Jahre hat sich das Menü-Erlebnis bei jedem meiner Besuche kontinuierlich weiterentwickelt – stets kraftvoll, ohne an Magie zu verlieren. Ein Besuch hier ist weit mehr als ein Restaurantbesuch; es ist eine Reise in eine andere Welt, ein Event, das man sich gönnen sollte. Die unvergleichliche Atmosphäre des historischen Schlosses verleiht jedem Moment einen besonderen Zauber. Ein Highlight ist der Lounge-Bereich im ersten Stock: das elegante Cheminée-Zimmer mit prasselndem Feuer und Humidor, daneben ein Salon mit kunstvollen französischen Wandmalereien vergangener Epochen. Die Kombination aus historischem Charme und modernen Leuchten schafft ein Ambiente, das gleichzeitig stilvoll und behaglich ist.
Doch bei meinem letzten Besuch im August 2024 zog es uns auf die sonnige Terrasse. Umgeben von der Pracht des Schlossgartens und dem Panorama der Bündner Berge genossen wir einen exquisiten Apéro bei perfektem Sommerwetter – der Auftakt zu einem Abend voller Genuss. Währenddessen schweiften meine Gedanken ab: Wie schafft es dieses Restaurant, seit Jahren Maßstäbe in Qualität, Innovation und ganzheitlichem Genusserlebnis zu setzen, obwohl es in der Abgeschiedenheit von Fürstenau liegt? Gerade in einer Branche wie der Gastronomie, die in der Schweiz mit hohen Kosten, Fachkräftemangel und strengen Anforderungen kämpft, ist dieser Erfolg umso beeindruckender. Die Antwort liegt wohl im unermüdlichen Streben nach Perfektion und Qualität sowie dem Mut, sich immer wieder neu zu erfinden. Welcher Visionär steckt hinter diesem Betrieb?

Vom kleinen Bergdorf ins Rampenlicht der Spitzengastronomie
Andreas Caminada, geboren am 6. Mai 1977 in der Region Surselva, Graubünden, wuchs im ruhigen und beschaulichen Bergdorf Sagogn auf und entdeckte früh seine Leidenschaft fürs Kochen. Die Mutter Hausfrau, der Vater Handwerker mit einem eigenen Gipsergeschäft. 1996 schloss er seine Kochlehre im Hotel Signina in Laax ab. In den folgenden Jahren sammelte der Bündner wertvolle Erfahrungen in verschiedenen renommierten Betrieben. Von 1996 bis 1998 arbeitete er als Pâtissier, Chef Entremetier und Chef Tournant. Anschließend war er in mehreren Spitzenrestaurants tätig, darunter als Pâtissier und Tournant im Hotel Walserhof in Klosters, als Chef Gardemanger im Hotel Deuring Schlössle in Bregenz und als Chef Tournant im Restaurant Bareiss in Baiersbronn. Seine Karriere als Küchenchef begann in der Wirtschaft zum Wiesengrund in Uetikon am See. Der Wendepunkt in seiner Karriere kam 2003, als er sich im Alter von nur 26 Jahren als Pächter und Chef de Cuisine im Schloss Schauenstein in Fürstenau selbständig machte. Hier kreiert eine moderne, regionale Küche, die auf hochwertigen, saisonalen Produkten basiert und durch eine perfekte Balance von Geschmack und Ästhetik überzeugt. Seine Gerichte sind das Ergebnis einer kontinuierlichen Weiterentwicklung, wobei er klassische Kochtechniken mit modernen Elementen verbindet. Sind das die Trends von morgen?

Warum die Zukunft der Kulinarik besser schmeckt als je zuvor
Fine Dining ist längst nicht mehr nur exquisite Küche – es ist ein Statement. In der Schweiz und darüber hinaus setzen Gastronomen auf Innovationen, die unsere Geschmacksknospen und unsere Werte gleichermaßen ansprechen. Die asiatische Küche erobert die Gourmet-Szene: Koreanische Bibimbap-Bowls, vietnamesische Pho und philippinische Adobo-Gerichte verleihen den Menüs exotischen Glanz. Gleichzeitig feiern fermentierte Köstlichkeiten wie Kimchi, Miso und Kombucha ihr großes Comeback. Sogar schwarze Zitrusfrüchte, sogenannte Loomis, bringen überraschend neue Aromen auf den Teller.



Aber es geht nicht nur um Geschmack – Erlebnisgastronomie boomt. Gäste tauchen ein in multisensorische Welten, während vegetarische und vegane Gerichte (Vegourmets) den Status von Nebenrollen längst abgelegt haben. Nachhaltigkeit ist dabei mehr als ein Trend: Zero-Waste-Küchen und klimafreundliche Energieversorgung setzen Standards.
Auch die Technik revolutioniert: Künstliche Intelligenz unterstützt in der Menüplanung, kultiviertes Fleisch könnte den Fleischkonsum neu definieren. Gesund und natürlich ist das Motto der Stunde – Functional Food und pure Zutaten stehen hoch im Kurs. Fine Dining ist nicht nur ein Genussmoment, sondern ein Fenster in die Zukunft. Und die schmeckt besser als je zuvor!
Wo Sterneküche auf Hollywood-Glamour trifft
Wer hätte gedacht, dass ein kleines Schloss im abgelegenen Fürstenau zum Treffpunkt der ganz Großen wird? Hier dinieren nicht nur Film-Stars wie Franka Potente oder Moritz Bleibtreu – auch Spitzenköche der Weltelite wie der Spanier Joan Roca und der Deutsche Jan Hartwig geben sich hier die Ehre. Dieses Restaurant ist mehr als ein Gourmet-Tempel – es ist die Bühne für Kulinarik, Kultur und Promi-Drama.

Als jüngster Koch Europas, der mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde, schwebt Andreas Caminada im Gourmethimmel. Kein anderer Sternekoch in der Schweiz ist unternehmerisch so erfolgreich wie er. Scheitert seine Bilderbuchkarriere am Erfolgsdruck? Wie ist das Essen im Schloss Schauenstein und was kostet dieser Abend? Ist Fine Dining ein Auslaufmodell? Wo geht die Reise hin, wenn man in der Spitzengastronomie alles erreicht hat? Antworten darauf gibt’s im zweiten Teil von «Fine Dining im Schloss Schauenstein». Hat dir dieser Beitrag gefallen? Folge uns auf Facebook, X oder Instagram, so dass du keinen unserer spannenden Porträts verpasst.
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