Fine Dining im Schloss Schauenstein: Der Geschmack des Erfolgs – Teil 2

Fürstenau / Schweiz // Gastronomie // Lesedauer 8 Minuten

Was bisher geschah:
Andreas Caminada hat das Schloss Schauenstein in einen kulinarischen Hotspot verwandelt, der weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt ist. Das mittelalterliche Schloss in den Bündner Alpen wurde durch seine Vision und Leidenschaft zu einem Mekka für Feinschmecker. Bereits 2004, nur ein Jahr nach der Eröffnung, wurde der erste Michelin-Stern verliehen, 2007 folgte der zweite, und 2010 krönte der dritte Stern seine außergewöhnliche Leistung.

Mit gerade einmal 26 Jahren wagte er ein riskantes Unterfangen (https://tinyurl.com/2mbbtse9) und schuf aus einem unscheinbaren Gebäude ein Aushängeschild der Spitzengastronomie. Sein Erfolg basiert auf klaren Visionen, kompromissloser Qualität und geschicktem Unternehmertum. Doch was braucht es wirklich, um Luxus auf den Teller zu bringen?

Gourmettempel oder Millionengrab? Die Wahrheit hinter der Spitzenküche

Ein Gourmetrestaurant in der Schweiz zu eröffnen klingt verlockend, doch der Weg dorthin ist steinig. Banken zeigen oft wenig Begeisterung für die Finanzierung solcher Projekte. Kein Wunder, denn die Luxusgastronomie ist ein Balanceakt zwischen Perfektion, Innovation und hohem Risiko.

Für den Erfolg sind Spitzenqualität bei Produkten, Zubereitung und Service unverzichtbar. Ebenso entscheidend ist ein innovatives Konzept, wie der Trend des «Stillen Luxus», das Alleinstellungsmerkmale schafft. Nachhaltigkeit, Regionalität und Flexibilität sind heute Pflicht. Aber auch diese Komponenten benötigen eine starke Identität, ein hervorragend geschultes Team und eine kluge Standortwahl. Ohne Michelin-Sterne oder Gault-Millau-Punkte bleibt der Hype oft aus, und die Herausforderungen hören mit der Eröffnung nicht auf. Es gilt, nicht nur Investoren, sondern auch die anspruchsvollsten Gaumen zu überzeugen.

Alpine Idylle und kulinarische Innovation: Warum Fürstenau das neue Must-Visit ist

Die herrliche Abgeschiedenheit im sonnenverwöhnten Städtchen Fürstenau bietet eine beeindruckende Kulisse der Bündner Bergwelt. Ich bin im Schloss Schauenstein angekommen und genieße meinen Apéro bei herrlichem Sommerwetter auf der Terrasse. Man kommt ins Träumen: Tannen rauschen, Grillen zirpen im Wettstreit mit Heuschrecken und erfüllen die Luft mit Leben. Bienen und Hummeln summen fleißig von Blüte zu Blüte. Ein sanfter Wind streicht über das Gesicht und trägt den Duft von Moos, Erde und frischen Blättern herbei. Das ist Natur pur! Hier vergisst man den Stress des Alltags, und die Stimmung steigt. Der delikate Auftakt – eine Reihe exquisiter Kleinigkeiten aus der Küche, perfekt inszeniert – ist bereits genossen. Ein letzter Schluck meines Drinks, und ich begebe mich in den Speisesaal.

Hinter den historischen Mauern entfaltet sich eine exklusive Welt für maximal 26 Gäste – ein Ort, an dem alpine Wurzeln auf kulinarische Innovation treffen und ein unvergleichlicher Geschmackskosmos entsteht. Der Speisesaal ist schlicht gehalten: Massive Holzböden und Vertäfelungen erzählen von der Vergangenheit, während futuristische Stühle und minimalistische Lampen einen spannenden Kontrast schaffen. An neun Tischen erleben die Gäste ein Gourmet-Abenteuer der Extraklasse, für das sie bereit sind, drei Monate oder länger auf einen Platz zu warten. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn kein anderes Schweizer Restaurant ist so oft auf internationalen Ranglisten vertreten. Ein Blick auf die Caminada-Group offenbart, die Strahlkraft der Marke.

Vom Küchenlehrling zum Millionär

Caminada ist nicht nur ein außergewöhnlicher Koch, sondern auch ein visionärer Unternehmer. Die von ihm geführte Caminada Group in Fürstenau umfasst unter anderem:

Zusammen mit der Hotelgruppe The Living Circle erwarb Caminada kürzlich Schloss Schauenstein und umliegende Immobilien, deren Marktwert auf rund 20 Millionen Franken geschätzt wird.

Als Markenbotschafter repräsentiert er Dom PérignonKWC und Audi. Er ist auch Namensgeber des Personality-Magazins CAMINADA – eine Publikationsform, wie sie weder Roger Federer noch andere Schweizer Persönlichkeiten vorweisen kann. Zudem hat er als Autor mehrerer Kochbücher, darunter «Pure Leidenschaft», «Pure Freude», «Pure Frische» und «Pure Tiefe», publiziert.

Im Rampenlicht steht der Sternekoch seit Januar 2025 als Gastgeber des TV-Formats «Dinner Club» auf Prime Video. Mit einer Mischung aus gutschweizerischer Bodenständigkeit und internationalem Renommee besitzt er genügend Strahlkraft für ein internationales TV-Format.

Für 2026 ist ein neues Kochbuch im Verlag Phaidon geplant. Die von ihm und seiner Frau gegründete Stiftung FUNDAZIUN UCCELIN fördert seit 2015 junge Talente in der Gastronomie und sichert so die Qualität der Spitzenküche nachhaltig. 

Warum dieser Gourmettempel der Ort ist, an dem Träume wahr werden

Ein perfekter Drei-Sterne-Abend kann beginnen. Es empfiehlt sich, auf das Menü zu setzen, auch wenn die A-la-Carte-Optionen verlockend klingen. Zur Wahl stehen bis zu fünf Gänge, plus ein Überraschungsgang. Wer sich chauffieren lässt, sollte die Weinbegleitung genießen oder sich vom Sommelier beraten lassen. Die Weine aus der Bündner Herrschaft sind dabei eine besondere Entdeckung. Auch die alkoholfreien Optionen sind durchdacht.

Am edel gedeckten Tisch entscheiden wir uns fürs volle Programm: Fünf Gänge mit Weinbegleitung. Das kompetente Serviceteam verwöhnt die Gäste freundlich und effizient. Eine Reihe von Amuse-Bouche-Gerichten stimmt auf das kulinarische Erlebnis ein. Das Ensemble arbeitet präzise wie ein Orchester. Der Ablauf ist perfekt getaktet – Küche und Service harmonieren ausgezeichnet. Jeder Mitarbeiter trägt zum perfekten Gästeerlebnis bei.

Die Gerichte folgen aufeinander, wobei das Personal das Konzept jedes Gangs erklärt. Man spürt den Produktfetischisten am Herd, der keinen Trends folgen muss. Jedes Gericht überzeugt durch Stärke und Aromen-Fülle. Aus einfachen Zutaten wird das Beste herausgeholt. Von pflanzlichen Aromen zu Beginn über komplexe Noten beim Hauptgang bis zu Fruchtaromen zum Abschluss – es sei denn, man wählt eine Auswahl vom reichhaltigen Käsewagen.

Vor dem Dessert geht der bodenständige Schlossherr in Hemd, Jeans und Sneakers von Tisch zu Tisch und begrüßt seine Gäste. Mit diesem authentischen, weltoffenen Wesen erobert der Bündner die Herzen seiner Gäste und zeichnet sich als besonderer Gastgeber aus, der trotz seines 20 Jahre andauernden, internationalen Erfolgs bodenständig bleibt. «Nicht die extravagante Menükarte oder das ausgefallene Ambiente machen den Erfolg. Nur die Qualität spricht sich herum und hat langfristig Bestand.» so der Pionier über sein Schauenstein.

Sind 500 Franken für 5 Stunden Genuss teuer?

Die Gerichte bleiben heimatverbunden und weltoffen zugleich, verständlich und geschmacklich identifizierbar. Diese Erfolgsformel wird seit Jahren auf hohem Niveau zelebriert und weiterentwickelt, wobei vertraute Elemente für Stammgäste erhalten bleiben. Das Menü spricht alle Sinne an; jeder Gang ist perfekt arrangiert. Das Geschirr der Schweizer Keramikkünstlerin Cornelia Hofstätter ergänzt die kulinarische Philosophie des Hauses ideal.

Nach fünf Stunden Genuss ziehen wir uns auf die Terrasse zurück und genießen die Sommernacht bei Kaffee und hausgemachtem Konfekt. Der Abend kostet etwas über 500 Franken (ca. 530 Euro) pro Person, inklusive einer 2 Franken-Spende für die hauseigene Stiftung zur Nachwuchsförderung. Der Preis erscheint absolut fair für dieses Gesamtpaket auf Spitzenniveau. Für alle Leserinnen und Leser, die jetzt geschockt sind, muss man dazu noch folgendes zur Schweizer Gastronomie erläutern:

Drei-Sterne-Restaurants stehen wirtschaftlich oft auf wackeligen Beinen, da hohe Kosten und geringe Margen den Betrieb belasten. Die Wareneinsatzquote ist mit rund 45 % außergewöhnlich hoch, und der Personalbedarf – etwa 10 Köche für 25 Gäste – übersteigt denjenigen üblicher Restaurants deutlich. Hinzu kommen die Mindestlöhne, die in der Schweiz üblich sind. Trotz hoher Menüpreise reduzieren aufwendige Ausstattung und ambitionierte Standards die Rentabilität erheblich. Aus diesem Grund sind viele Gourmetrestaurants Spielwiesen von reichen Mäzen oder haben ein Luxushotel im Rücken.  

Zum Abschied erhalten wir eine Jubiläumszeitung zum 20-jährigen Bestehen des Schlosses sowie ein informatives, schön designtes Booklet. Wir sind überzeugt: So geht Fine Dining, und empfehlen diese Genussoase allen, die glauben, bereits alles erlebt zu haben.

Fazit:

Schloss Schauenstein ist weit mehr als ein Gourmetrestaurant – es ist ein Symbol für Innovation, Mut und unerschütterliche Leidenschaft. Andreas Caminada hat bewiesen, dass man mit einer klaren Vision und kompromissloser Qualität selbst die abgelegensten Orte in leuchtende Sterne auf der kulinarischen Landkarte verwandeln kann. Seine Erfolgsgeschichte ist nicht nur Inspiration, sondern auch eine Einladung, in die Zukunft der Spitzengastronomie einzutauchen.

Wie gelingt es, ein mittelalterliches Schloss in eine globale Gourmet-Marke zu transformieren? Warum sind Gäste bereit, Monate auf einen Tisch zu warten und Preise zu zahlen, die selbst in der Luxuswelt polarisieren? Was bedeutet es, Fine Dining in einer Branche neu zu definieren, die immer stärker unter Druck gerät?

Die Antworten darauf und ein Blick hinter die Kulissen von Schloss Schauenstein erwarten dich. Begleite uns, wenn wir die Grenzen von Genuss und Innovation ausloten und dabei nicht nur kulinarische, sondern auch persönliche Träume erleben. Bist du bereit, den Geschmack des Erfolgs zu entdecken?

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Schloss Schauenstein
Obergass 15
CH-7414 Fürstenau
Schweiz
Telefon: +41 81 632 10 80
E-Mail: kontakt@schauenstein.ch
Internet: https://schauenstein.ch
Social Media: Instagram oder Facebook      

Awards 2024
World’s 50 Best Restaurants, Platz 47
OAD-Liste, Top European Restaurants, 6. Platz

Lunch & Dinner
3 Gänge CHF 266 Franken
4 Gänge CHF 298 Franken
5 Gänge CHF 318 Franken

Getränkebegleitung CHF 186 Franken
Alkoholfreie Getränkebegleitung CHF 110 Franken

Öffnungszeiten
Lunch von Donnerstag bis Sonntag ab 12 Uhr
Dinner von Mittwoch bis Sonntag ab 19 Uhr

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